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Historische Einordnung in bewegten Zeiten

25. Band des Jahrbuches „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ ist erschienen – 12 Aufsätze auf 117 Seiten

Zu seinem Jubiläum – Herausgabe des 25. Bandes – knüpft das Jahrbuch „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ an ein anderes, weltweit beachtetes Jubiläum an: 100 Jahre Bauhaus. Entsprechend ziert den Umschlag des diesjährigen Heftes eine zeitgenössische Fotografie der im Bauhaus-Stil erbauten Villa Zwick in Kellmünz. Insgesamt 12 heimatgeschichtliche Aufsätze auf 117 Seiten umfasst die neueste Jahrbuch-Ausgabe, die wieder rechtzeitig zu Weihnachten erschienen ist.

Kunst- und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ott und seine Co-Autorin Monika Kolb beleuchten die Historie der Anfang der 1930er-Jahre als Wohnhaus für die Familie des Fabrikanten Franz Zwick errichteten Villa. Es hatte ursprünglich ein Flachdach, wie es für das Neue Bauen charakteristisch war; auf Druck der 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten musste es jedoch einem ideologisch gebotenem Walmdach weichen.

Ein noch schlimmeres Ende nahm die einstige Synagoge in Altenstadt. In der Reichspogromnacht 1938 von den Nazis geschändet, wurde das jüdische Gotteshaus nach dem Krieg abgerissen. Ralph Manhalter aus Obenhausen erschließt in seinem Premierenartikel im Jahrbuch die Umstände des Abbruchs im November 1955, der – so der Autor – „von verdrängtem oder nicht vorhandenem Geschichtsbewusstsein zeugt“.

Ihrer geschichtlichen Bedeutung sehr wohl gewahr ist dagegen die Kreisspitalstiftung Weißenhorn. Im nächsten Jahr wird das 550-jährige Jubiläum der Stiftungsklinik gefeiert. Pressesprecherin Edeltraud Braunwarth zeichnet den langen Weg der Heilig-Geist-Spitalstiftung vom Siechenheim zum modernen Klinikum nach.

Eine weitere Weißenhorner Institution ist der berühmte Kirchenmaler Franz Martin Kuen, dessen 300. Geburtstag heuer im Landkreis Neu-Ulm groß gefeiert worden ist. Burkhard Günther, pensionierter Stadtbaumeister von Weißenhorn, verfolgt die ehemaligen Wohnhäuser der Familie Kuen in der Fuggerstadt minutiös nach.  

Einer detektivischen Arbeit hat sich auch Pfarrer Thomas Pfundner aus Holzschwang verschrieben, der seit vielen Jahren alten Grenzsteinen in der heimischen Flur nachspürt. Diesmal beschäftigt er sich intensiv mit Funden in der Waldung zwischen Illereichen, Osterberg und Kellmünz.

Relikte alter Herrschaften stellen ebenfalls die ins Mittelalter zurückreichenden Patronatsrechte und -pflichten dar, die noch heute Angehörige alter Adelsgeschlechter innehaben. Horst Reul aus Tiefenbach geht in seinem Beitrag folgenden Fragen auf den Grund: Was versteht man unter einer Patronatsherrschaft? Und worauf beruht die Patronatsherrschaft der Fugger Kirchberg – Weißenhorn?

Auch das Ehepaar Aubele aus Straß zählt wieder zu den Autoren des Jahrbuches. Klara Aubele schreibt über Wilhelm Hölzle, der von 1916 bis 1956 „die prägende Lehrergestalt in Holzheim“ war. Er war nicht nur Lehrer, sondern brachte auch seine umfassende kulturelle Bildung im Dorf ein: als Organist, Chorleiter, Brauchtums- und Mundartforscher sowie Geschichtsschreiber.

Anton Aubele nimmt sich einem „Pionier der regionalen Geschichtsforschung“ an: Horst Gaiser, der am 2. Mai 2019 im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Aus seinem zahlreichen Leistungen und Verdiensten ragen der Aufbau und die Pflege der Geschichtsbibliothek in Neu-Ulm heraus. Aubele bezeichnet die Büchersammlung, die circa 90.000 Bände umfasst, als „ganz großes Vermächtnis“ des Verstorbenen.

Archäologische Dokumentationen runden wie immer das Jahrbuch ab. Kreisarchäologe und Jahrbuch-Schriftleiter Richard Ambs beschreibt einen latènezeitlichen Sondengängerfund aus Untereichen. Dabei handele es sich um eine „kleine Maske aus Bronze“.

Zwei Beiträge steuert Fabian Hopfenzitz, Grabungsleiter aus Deisenhausen im Landkreis Günzburg, bei: Zum einen deckt er Siedlungsspuren aus der Urnenfelderzeit am Nordrand von Jedesheim auf. Zum anderen macht er Befunde zur Siedlungs- und Stadtgeschichte beim ehemaligen Gasthaus Engel in Weißenhorn publik.

Kreisarchivar Peter Wischenbarth hat die sogenannte Mönchsburg bei Illereichen eingehend erforscht, deren Ursprünge ihm zufolge in der Merowingerzeit liegen (circa 600 – 750 n. Chr.).

Landrat Thorsten Freudenberger bescheinigte der Publikationsreihe bei deren Präsentation im Landratsamt einen „hohen wissenschaftlichen Standard“. Das Jahrbuch, das – so der Wille aller Beteiligten – über das Jubiläumsjahr 2019 hinaus fortgesetzt werden soll, leiste eine historische Einordnung von Ereignissen und Einrichtungen, die „gerade in bewegten Zeiten wie den unseren“ von großer Bedeutung sei, sagte Freudenberger.  

Der Jahresband 2019 des Jahrbuchs „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ ist erhältlich an der Kasse im Landratsamt Neu-Ulm, in den Kreismuseen und im Buchhandel. Außerdem kann die Publikation per E-Mail bestellt werden: poststelle@lra.neu-ulm.de. Der Stückpreis beträgt seit vielen Jahren unverändert 10 Euro. Die Auflage beträgt 1.200 Exemplare. Der Landkreis hat auch dieses Mal wieder das Geld für den Druck des Jahrbuches zur Verfügung gestellt. Die Autoren und Redakteure (in 25 Jahren 60 an der Zahl) arbeiteten alle ehrenamtlich.

© Martina Plaschke E-Mail

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