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Drohnen bewahren Rehkitze vor grausamem Tod

Flugobjekt entdeckte heuer bereits 42 Rehbabys im hohen Gras und rettete sie so vor dem Mähwerk – Kreisjägerschaft will weitere Drohnen anschaffen

Man muss kein ausgewiesener Tierschützer sein, wenn einem bei einer solchen Nachricht das Herz aufgeht: 42 Rehkitze (Stand: 26.05.2020) konnten in diesem Frühling bereits mit Hilfe einer Drohne mit Echt- und Wärmebildkamera vor dem Tod bewahrt werden. Sie entgingen dem Mähwerk, weil sie noch rechtzeitig in den hohen Wiesen aufgefunden werden konnten. Darüber informierte Christian Liebsch, der Vorsitzende der Kreisgruppe Neu-Ulm im Bayerischen Jagdverband, bei einem Pressegespräch im Landratsamt zur Jagdbilanz 2019/20.

Die Drohnen-Konstruktion, die der Jäger-Kreisverband für circa 9500 Euro angeschafft hat, fliegt in diesem Frühjahr zum ersten Mal. Sie „funktioniert perfekt“, schwärmt Liebsch. Jeden Morgen sei der Apparat derzeit im Einsatz. Von Anfang Mai bis Mitte Juni dauert die jährliche Saison. In diesem Zeitraum legen die Rehmütter ihre Neugeborenen im hohen Gras in Waldnähe ab. Wenn sie dort nicht entdeckt werden, bevor der Bauer mit dem Mähwerk anrückt, droht ihnen tödliche Gefahr.

Wie viele Rehbabys genau auf diese grausame Art ums Leben kommen, ist nicht zu quantifizieren. „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein“, meint Anneliese Maisch von der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Neu-Ulm, denn den Bauern sei es sehr unangenehm, wenn sie beim Mähen ein Rehkitz erwischen. Entsprechend würden wohl viele solche Wildunfälle nicht angezeigt. Christian Liebsch stimmt zu. Auch er schätzt, dass Frühjahr für Frühjahr mehr Rehkitze ums Leben kommen, als man vermutet.

Diese Tragödien könnten aber bald der Vergangenheit angehören. Den Spezialdrohnen sei Dank. Der Kreisjagdverband will nach dem gelungenen Pilotprojekt im Raum Weißenhorn in weitere Flugobjekte mit Kamera investieren. Nach Christian Liebsch Vorstellung soll jede der vier Hegegemeinschaften, in welche die 100 Reviere umfassende Jagd im Landkreis aufgeteilt ist, eine Drohne erhalten. Für das erste Fluggerät, das nun im Einsatz ist, konnte neben Mitgliedsbeiträgen auf Spenden eines Unternehmens und des Bauernverbandes zurückgegriffen werden. Weitere Sponsorengelder wären hoch willkommen, denn sie würden helfen, blutjunges Bambi-Leben zu retten.  

Jagd bedeutet jedoch nicht nur Hege und Pflege des Wildes, sondern auch dessen gezielte Tötung. Dafür geben das Bundesjagdgesetz und das Bayerische Jagdgesetz strenge Regeln vor. Im Zweitgenannten heißt es: „Dieses Gesetz soll neben dem Bundesjagdgesetz dazu dienen:

  1. einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten,
  2. die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes zu sichern und zu verbessern,
  3. Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch das Wild möglichst zu vermeiden, insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen,
  4. die jagdlichen Interessen mit den sonstigen öffentlichen Belangen, insbesondere mit den Belangen der Landeskultur, des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen.“

 

Dass diese Gesetzeszwecke befolgt und eingehalten werden, das überwacht Anneliese Maisch von der unteren Jagdbehörde. Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Abschussstatistik zu führen. Für das vergangene Jagdjahr (01.04.2019 bis 31.03.2020) gab sie beim Pressegespräch unter anderem folgende Zahlen bekannt:

Das Rehwild darf nach den gesetzlichen Vorschriften nur im Rahmen eines Abschussplanes erlegt werden. Das Jagdjahr 2019/20 war das erste der aktuellen dreijährigen Abschussperiode. In diesem Zeitraum sollen nach dem Abschussplan 6.135 Rehe in den Revieren im Landkreis Neu-Ulm erlegt werden. 2.100 Rehe waren es 2019/20. Das sind 34,2 Prozent des Gesamtsolls. 311 der insgesamt 2100 erlegten Rehe wurden durch Wildunfälle im Straßenverkehr getötet. 

Beim Schwarzwild fiel ein neuer Abschussrekord an. Mit 891 Tieren wurden so viele Wildschweine wie noch nie im Landkreis Neu-Ulm zur Strecke gebracht. 18,6 Prozent waren radioaktiv zu hoch belastet und konnten deshalb nicht in den Verzehr gelangen. Die verseuchten Wildschweinkadaver stammen in der Regel aus dem südlichen Landkreis, wo 1986 – anders als im Landkreisnorden – infolge der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl radioaktiver Regen niederging.

Weitere Abschusszahlen 2019/20: Damwild (frei lebend) 11; Feldhase 210 (Vorjahr: 251); Fuchs 780 (710); Dachs 290 (263); Waschbär 14 (13); Grau- und Nilgans 161 (92); Ente 714 (592); Kormoran 158 (115); Elster, Eichelhäher, Rabenkrähe zusammen 607 (770).

© Martina Plaschke E-Mail

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Flugobjekt entdeckte heuer bereits 42 Rehbabys im hohen Gras und rettete sie so vor dem Mähwerk – Kreisjägerschaft will weitere Drohnen anschaffen

Man muss kein ausgewiesener Tierschützer sein, wenn einem bei einer solchen Nachricht das Herz aufgeht: 42 Rehkitze (Stand: 26.05.2020) konnten in diesem Frühling bereits mit Hilfe einer Drohne mit Echt- und Wärmebildkamera vor dem Tod bewahrt werden. Sie entgingen dem Mähwerk, weil sie noch rechtzeitig in den hohen Wiesen aufgefunden werden konnten. Darüber informierte Christian Liebsch, der Vorsitzende der Kreisgruppe Neu-Ulm im Bayerischen Jagdverband, bei einem Pressegespräch im Landratsamt zur Jagdbilanz 2019/20.

Die Drohnen-Konstruktion, die der Jäger-Kreisverband für circa 9500 Euro angeschafft hat, fliegt in diesem Frühjahr zum ersten Mal. Sie „funktioniert perfekt“, schwärmt Liebsch. Jeden Morgen sei der Apparat derzeit im Einsatz. Von Anfang Mai bis Mitte Juni dauert die jährliche Saison. In diesem Zeitraum legen die Rehmütter ihre Neugeborenen im hohen Gras in Waldnähe ab. Wenn sie dort nicht entdeckt werden, bevor der Bauer mit dem Mähwerk anrückt, droht ihnen tödliche Gefahr.

Wie viele Rehbabys genau auf diese grausame Art ums Leben kommen, ist nicht zu quantifizieren. „Die Dunkelziffer dürfte hoch sein“, meint Anneliese Maisch von der unteren Jagdbehörde beim Landratsamt Neu-Ulm, denn den Bauern sei es sehr unangenehm, wenn sie beim Mähen ein Rehkitz erwischen. Entsprechend würden wohl viele solche Wildunfälle nicht angezeigt. Christian Liebsch stimmt zu. Auch er schätzt, dass Frühjahr für Frühjahr mehr Rehkitze ums Leben kommen, als man vermutet.

Diese Tragödien könnten aber bald der Vergangenheit angehören. Den Spezialdrohnen sei Dank. Der Kreisjagdverband will nach dem gelungenen Pilotprojekt im Raum Weißenhorn in weitere Flugobjekte mit Kamera investieren. Nach Christian Liebsch Vorstellung soll jede der vier Hegegemeinschaften, in welche die 100 Reviere umfassende Jagd im Landkreis aufgeteilt ist, eine Drohne erhalten. Für das erste Fluggerät, das nun im Einsatz ist, konnte neben Mitgliedsbeiträgen auf Spenden eines Unternehmens und des Bauernverbandes zurückgegriffen werden. Weitere Sponsorengelder wären hoch willkommen, denn sie würden helfen, blutjunges Bambi-Leben zu retten.  

Jagd bedeutet jedoch nicht nur Hege und Pflege des Wildes, sondern auch dessen gezielte Tötung. Dafür geben das Bundesjagdgesetz und das Bayerische Jagdgesetz strenge Regeln vor. Im Zweitgenannten heißt es: „Dieses Gesetz soll neben dem Bundesjagdgesetz dazu dienen:

  1. einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten,
  2. die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes zu sichern und zu verbessern,
  3. Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch das Wild möglichst zu vermeiden, insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen,
  4. die jagdlichen Interessen mit den sonstigen öffentlichen Belangen, insbesondere mit den Belangen der Landeskultur, des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen.“

 

Dass diese Gesetzeszwecke befolgt und eingehalten werden, das überwacht Anneliese Maisch von der unteren Jagdbehörde. Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Abschussstatistik zu führen. Für das vergangene Jagdjahr (01.04.2019 bis 31.03.2020) gab sie beim Pressegespräch unter anderem folgende Zahlen bekannt:

Das Rehwild darf nach den gesetzlichen Vorschriften nur im Rahmen eines Abschussplanes erlegt werden. Das Jagdjahr 2019/20 war das erste der aktuellen dreijährigen Abschussperiode. In diesem Zeitraum sollen nach dem Abschussplan 6.135 Rehe in den Revieren im Landkreis Neu-Ulm erlegt werden. 2.100 Rehe waren es 2019/20. Das sind 34,2 Prozent des Gesamtsolls. 311 der insgesamt 2100 erlegten Rehe wurden durch Wildunfälle im Straßenverkehr getötet. 

Beim Schwarzwild fiel ein neuer Abschussrekord an. Mit 891 Tieren wurden so viele Wildschweine wie noch nie im Landkreis Neu-Ulm zur Strecke gebracht. 18,6 Prozent waren radioaktiv zu hoch belastet und konnten deshalb nicht in den Verzehr gelangen. Die verseuchten Wildschweinkadaver stammen in der Regel aus dem südlichen Landkreis, wo 1986 – anders als im Landkreisnorden – infolge der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl radioaktiver Regen niederging.

Weitere Abschusszahlen 2019/20: Damwild (frei lebend) 11; Feldhase 210 (Vorjahr: 251); Fuchs 780 (710); Dachs 290 (263); Waschbär 14 (13); Grau- und Nilgans 161 (92); Ente 714 (592); Kormoran 158 (115); Elster, Eichelhäher, Rabenkrähe zusammen 607 (770).

© Martina Plaschke E-Mail

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