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Archäologische Sammlung wird vielleicht im Römerkastell präsentiert

Gutachter sagt Nein zum Museumsstandort Senden –
In Kellmünz hat sich dagegen eine große Chance aufgetan

Nur sehr ungern denkt Richard Ambs an einen besonderen Tag während seiner 35-jährigen Tätigkeit als Kreisarchäologe zurück. Am 1. Juli 2008 musste nämlich das Archäologische Museum des Landkreises Neu-Ulm geschlossen werden. Seitdem schlummern die Exponate im Depot. Denn alle ausgeloteten Optionen für die Neupräsentation der kreisarchäologischen Sammlung blieben bislang erfolglos. Nachdem die Standortsuche zuvor in unter anderem Neu-Ulm, Weißenhorn und Roggenburg gescheitert war, ereilte nun auch Senden das Aus. Dagegen hat sich eine neue Option in Kellmünz, gleich neben dem Archäologischen Park, ergeben.   

Die museumsfachliche Machbarkeitsstudie der Firma Frankonzept aus Würzburg ist zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht empfohlen werden kann, in der „Alten Post“ in der Ortsstraße 40 in Senden das vorgesehene neue Archäologische Museum einzurichten. Dort sollte - so die Vorstellung, die Richard Ambs mit anderen Fachleuten entwarf - schwerpunktmäßig auf die „Energienutzung früher, heute und morgen“ eingegangen werden. „Rein baulich“ seien die ehemaligen Posträume aus dem Jahr 1978 zwar für ein Museum geeignet, sagte Gutachter Dr. Jochen Ramming im Kulturausschuss. Letztlich, so die Beurteilung des Sachverständigen, stünden aber „der zu erwartende Publikumszuspruch, der pädagogische Erfolg, aber auch die Chance der regionalen Identitätsbindung beziehungsweise der Repräsentation in keinem günstigen Verhältnis zu den einzusetzenden Investitions- und Betriebsmitteln“.

Das Sachverständigenbüro rechnet mit Investitionskosten von 1,16 Millionen Euro. Hinzu kämen voraussichtliche Betriebskosten von knapp 177.000 Euro pro Jahr. Davon entfallen auf die zusätzlichen jährlichen Personalkosten rund 56.000 Euro für drei Teilzeitstellen. Damit würde das neue Archäologiemuseum in Senden deutlich teurer kommen als die vier bestehenden kreiseigenen Museen in Roggenburg, Kellmünz, Illertissen und Oberfahlheim zusammen. Deren Budgetrahmen liegt derzeit bei insgesamt circa 125.000 Euro pro Jahr.

Vor allem aber die Konkurrenzsituation spricht gegen das Vorhaben in Senden. Die Studie weist unmissverständlich darauf hin, dass es im Umkreis von 50 Kilometern einen „hohen Anteil historischer und archäologischer Museen“ gibt, darunter drei UNESCO-Welterbe-Stätten: Welterbe Limes (Aalen und Heidenheim), Welterbe Eiszeit (Ulm und Blaubeuren), Welterbe Pfahlbauten (Bad Buchau am Federsee). „Angesichts der regionalen Konkurrenz im Themenfeld Archäologie und der wenig ausgeprägten Attraktivität des Standorts in der Sendener Ortsstraße ist zu befürchten, dass selbst das genannte Potential nicht dauerhaft abgeschöpft werden kann“, heißt es in der wissenschaftlichen Untersuchung.

Die Expertise spricht nicht nur eine klare Sprache, sondern sie entfaltet über die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern auch gutachterliche Wirkung für potentielle Geldgeber wie zum Beispiel LEADER, den Bezirk Schwaben oder den Kulturfonds Bayern. Konkret gesprochen also: Zuschüsse aus diesen Quellen werden kaum fließen, wenn sich der Landkreis entschlösse, entgegen der Empfehlung das Archäologische Museum doch in der „Alten Post“ in Senden einzurichten.  

Deshalb geht der Blick auch weg von Senden. In Kellmünz hat sich unversehens eine Gelegenheit aufgetan, die am Schopf gepackt werden soll. Für einen Kaufpreis von gut 268.000 Euro könnte der Landkreis das unter Denkmalschutz stehende Gebäude „Rechbergring 7b“ erwerben. Das Objekt mit einer  Grundstücksfläche von 876 Quadratmetern liegt direkt auf dem Gelände des spätrömischen Kastells Caelius Mons. Der historische Kern der Immobilie war das Hauptgebäude (Principia) des einstigen Kastells. Das Kellmünzer Herrschergeschlecht der  Rechberg (1326–1791) errichtete dort seinen Zehentstadel.  

Es böte sich also „die einmalige Chance, den archäologischen Park in Kellmünz zu erweitern und aufzuwerten“, meinte Landrat Thorsten Freudenberger. Außerdem ergäbe sich die Möglichkeit im Zehentstadel und/oder einem etwaigen Anbau zumindest Teile der Archäologischen Sammlung des Landkreises im Wechsel der Öffentlichkeit zu präsentieren, ergänzte Richard Ambs.  

Der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport fasste denn auch mit großer Mehrheit den Empfehlungsbeschluss für den Kreisausschuss und den Kreistag, alternative Ausstellungsformen zu prüfen und konkrete Vorschläge zum weiteren Vorgehen auszuarbeiten. In diesem Zusammenhang soll, so die Empfehlung des Kulturausschusses, der Kaufvertrag für das Objekt „Rechbergring 7b“ in Kellmünz unter Dach und Fach gebracht werden. Vielleicht findet Richard Ambs‘ „Herzensangelegenheit“ (Landrat Freudenberger) also doch noch ihre Vollendung.

© Martina Herrmann E-Mail

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Gutachter sagt Nein zum Museumsstandort Senden –
In Kellmünz hat sich dagegen eine große Chance aufgetan

Nur sehr ungern denkt Richard Ambs an einen besonderen Tag während seiner 35-jährigen Tätigkeit als Kreisarchäologe zurück. Am 1. Juli 2008 musste nämlich das Archäologische Museum des Landkreises Neu-Ulm geschlossen werden. Seitdem schlummern die Exponate im Depot. Denn alle ausgeloteten Optionen für die Neupräsentation der kreisarchäologischen Sammlung blieben bislang erfolglos. Nachdem die Standortsuche zuvor in unter anderem Neu-Ulm, Weißenhorn und Roggenburg gescheitert war, ereilte nun auch Senden das Aus. Dagegen hat sich eine neue Option in Kellmünz, gleich neben dem Archäologischen Park, ergeben.   

Die museumsfachliche Machbarkeitsstudie der Firma Frankonzept aus Würzburg ist zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht empfohlen werden kann, in der „Alten Post“ in der Ortsstraße 40 in Senden das vorgesehene neue Archäologische Museum einzurichten. Dort sollte - so die Vorstellung, die Richard Ambs mit anderen Fachleuten entwarf - schwerpunktmäßig auf die „Energienutzung früher, heute und morgen“ eingegangen werden. „Rein baulich“ seien die ehemaligen Posträume aus dem Jahr 1978 zwar für ein Museum geeignet, sagte Gutachter Dr. Jochen Ramming im Kulturausschuss. Letztlich, so die Beurteilung des Sachverständigen, stünden aber „der zu erwartende Publikumszuspruch, der pädagogische Erfolg, aber auch die Chance der regionalen Identitätsbindung beziehungsweise der Repräsentation in keinem günstigen Verhältnis zu den einzusetzenden Investitions- und Betriebsmitteln“.

Das Sachverständigenbüro rechnet mit Investitionskosten von 1,16 Millionen Euro. Hinzu kämen voraussichtliche Betriebskosten von knapp 177.000 Euro pro Jahr. Davon entfallen auf die zusätzlichen jährlichen Personalkosten rund 56.000 Euro für drei Teilzeitstellen. Damit würde das neue Archäologiemuseum in Senden deutlich teurer kommen als die vier bestehenden kreiseigenen Museen in Roggenburg, Kellmünz, Illertissen und Oberfahlheim zusammen. Deren Budgetrahmen liegt derzeit bei insgesamt circa 125.000 Euro pro Jahr.

Vor allem aber die Konkurrenzsituation spricht gegen das Vorhaben in Senden. Die Studie weist unmissverständlich darauf hin, dass es im Umkreis von 50 Kilometern einen „hohen Anteil historischer und archäologischer Museen“ gibt, darunter drei UNESCO-Welterbe-Stätten: Welterbe Limes (Aalen und Heidenheim), Welterbe Eiszeit (Ulm und Blaubeuren), Welterbe Pfahlbauten (Bad Buchau am Federsee). „Angesichts der regionalen Konkurrenz im Themenfeld Archäologie und der wenig ausgeprägten Attraktivität des Standorts in der Sendener Ortsstraße ist zu befürchten, dass selbst das genannte Potential nicht dauerhaft abgeschöpft werden kann“, heißt es in der wissenschaftlichen Untersuchung.

Die Expertise spricht nicht nur eine klare Sprache, sondern sie entfaltet über die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern auch gutachterliche Wirkung für potentielle Geldgeber wie zum Beispiel LEADER, den Bezirk Schwaben oder den Kulturfonds Bayern. Konkret gesprochen also: Zuschüsse aus diesen Quellen werden kaum fließen, wenn sich der Landkreis entschlösse, entgegen der Empfehlung das Archäologische Museum doch in der „Alten Post“ in Senden einzurichten.  

Deshalb geht der Blick auch weg von Senden. In Kellmünz hat sich unversehens eine Gelegenheit aufgetan, die am Schopf gepackt werden soll. Für einen Kaufpreis von gut 268.000 Euro könnte der Landkreis das unter Denkmalschutz stehende Gebäude „Rechbergring 7b“ erwerben. Das Objekt mit einer  Grundstücksfläche von 876 Quadratmetern liegt direkt auf dem Gelände des spätrömischen Kastells Caelius Mons. Der historische Kern der Immobilie war das Hauptgebäude (Principia) des einstigen Kastells. Das Kellmünzer Herrschergeschlecht der  Rechberg (1326–1791) errichtete dort seinen Zehentstadel.  

Es böte sich also „die einmalige Chance, den archäologischen Park in Kellmünz zu erweitern und aufzuwerten“, meinte Landrat Thorsten Freudenberger. Außerdem ergäbe sich die Möglichkeit im Zehentstadel und/oder einem etwaigen Anbau zumindest Teile der Archäologischen Sammlung des Landkreises im Wechsel der Öffentlichkeit zu präsentieren, ergänzte Richard Ambs.  

Der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport fasste denn auch mit großer Mehrheit den Empfehlungsbeschluss für den Kreisausschuss und den Kreistag, alternative Ausstellungsformen zu prüfen und konkrete Vorschläge zum weiteren Vorgehen auszuarbeiten. In diesem Zusammenhang soll, so die Empfehlung des Kulturausschusses, der Kaufvertrag für das Objekt „Rechbergring 7b“ in Kellmünz unter Dach und Fach gebracht werden. Vielleicht findet Richard Ambs‘ „Herzensangelegenheit“ (Landrat Freudenberger) also doch noch ihre Vollendung.

© Martina Herrmann E-Mail

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